Wir verwenden Cookies, um unsere Website für Sie optimal zu gestalten.

Zur Analyse nutzen wir den Webdienst Matomo. Ihre persönlichen Daten – darunter Ihre IP-Adresse – werden vor der Verarbeitung anonymisiert. Bitte stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.

Projekt-Info

Mitwirkende

Tim Leibert, Nadir Kinossian, Thilo Lang

Kooperation(en)

Centre for Urban and Regional Development Studies (CURDS), Newcastle University; University College London (UCL); Université de Strasbourg; Centre de Coopération Internationale en Recherche Agronomique pour le Développement (CIRAD)

Dauer

01/2021 – 12/2023

Förderung

Deutsche Forschungsgemeinschaft (ORA-Programm)

Kontakt

Dr. Tim Leibert
t_leibert(at)leibniz-ifl.de
Tel.: +49 341 600 55-188

Beyond "Left Behind" Places

Understanding demographic and socio-economic change in peripheral regions in France, Germany and the UK

Die wachsende sozialräumliche Kluft zwischen zentralen und peripheren Regionen ist in letzter Zeit wieder verstärkt in den Fokus der politischen Debatte gerückt. Die aus regionalen Unterschieden resultierende Unzufriedenheit von Teilen der Bevölkerung hat zum Erstarken populistischer und nationalistischer Parteien in peripheren Räumen und besonders in altindustriellen Gebieten mit beigetragen. Der Ausgang des Brexit-Referendums in Großbritannien, die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten 2016, der Aufschwung der rechtspopulistischen Sammlungsbewegung „Rassemblement National“ und die „Gelbwesten“-Proteste in Frankreich sind ebenso wie der Zulauf der AfD ein Ausdruck der sich öffnenden Schere zwischen wirtschaftlich erfolgreichen und stagnierenden oder schrumpfenden Regionen.

Stimmen aus Wissenschaft und Politik äußern angesichts dieser Entwicklung die Sorge, dass periphere Regionen im Prozess der Globalisierung und des technologischen und wirtschaftlichen Wandels in ihrer Entwicklung „abgehängt“ werden könnten. Diese Zuschreibung erhöht die politische Sichtbarkeit sozialer und räumlicher Ungleichheiten und ist deshalb zu begrüßen. Doch zugleich birgt eine solche Kategorisierung die Gefahr, dass zu stark vereinfacht wird und die unterschiedlichen Erfahrungen und Entwicklungspfade von Menschen und Orten nicht mehr wahrgenommen werden.

Ziel des Projekts ist es daher, ein neues Verständnis des demographischen und sozioökonomischen Wandels in peripheren Regionen zu entwickeln. Dazu werden die jeweiligen Bedingungen und Perspektiven von Orten untersucht, die aktuell als „abgehängt“ gelten. Peripheralisierung wird dabei als ein Prozess verstanden, der durch die Konzentration von Bevölkerung und Wohlstand in Ballungszentren bei gleichzeitig gegenläufiger Entwicklung in anderen Regionen angetrieben wird.

Mit einem vergleichenden Ansatz, der die Erfahrungen Frankreichs, Deutschlands und des Vereinigten Königreichs einbezieht, verfolgt das Projekt vier Ziele:

  • Anhand einer Analyse der besonderen Gegebenheiten und Entwicklungspfade peripherer Regionen die verallgemeinernde Kategorie der „abgehängten Region“ durch differenziertere Beschreibungen zu ersetzen;
  • angesichts einer in der bisherigen Forschung beobachtbaren Voreingenommenheit in Bezug auf das Thema der interregionalen Migration abzuschätzen, wie sich ein Wegzug bzw. das Bleiben in einer peripheren Region auf die Gesundheit, die wirtschaftliche Situation und das politische Verhalten der Betroffenen auswirkt;
  • zu untersuchen, mittels welcher Aktivitäten und Praktiken die Bewohner in peripheren Regionen ihren Lebensunterhalt sichern;
  • neue politische Antworten jenseits der Auffassung zu geben, dass zwischen dem Wachstum von Städten und dem Wohlstand der umliegenden Regionen ein kausaler Zusammenhang besteht.

Das Forschungsdesign beinhaltet unter anderem die Identifizierung und Kategorisierung peripherer Regionen in ganz Westeuropa, die Auswertung der unterschiedlichen Erfahrungen anhand sekundärer qualitativer Daten sowie Fallstudien auf der Grundlage von Interviews, nicht-teilnehmender Beobachtung und Kartierungen von Infrastrukturen zur Sicherung des Lebensunterhaltes. Im Kern geht es darum, derzeitige Politikansätze im Umgang mit Peripherisierung zu bewerten und zukunftsorientierte Empfehlungen für die vielfältigen Handlungsfelder in peripheren Regionen abzuleiten.

zurück