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Projekt-Info

Mitwirkende

Thilo Lang, Franziska Görmar, Martin Graffenberger

Dauer

11/2018 – 03/2020

Förderung

vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e.V.

Kontakt

Franziska Görmar
f_goermar(at)leibniz-ifl.de

Lokale Demokratie in Klein- und Mittelstädten unter den Bedingungen von Peripherisierung

Städte und Regionen in Deutschland entwickeln sich trotz zahlreicher Förderprogramme zunehmend unterschiedlich: Wenigen prosperierenden Zentren steht eine wachsende Zahl sogenannter peripherisierter Räume gegenüber. Letztere stehen häufig vor schwierigen wirtschaftlichen Herausforderungen und sind von selektiver Abwanderung, verbunden mit Überalterung, sowie von Infrastrukturabbau und Funktionsverlusten in der Daseinsvorsorge betroffen. Dieses soziodemografische und ökonomische Auseinanderdriften von Regionen und Städten ist in den vergangenen Jahren zunehmend in den Fokus von Wissenschaft und Öffentlichkeit gerückt.

Vor diesem Hintergrund hat das Forschungsprojekt Prozesse lokaler Demokratie in Klein- und Mittelstädten untersucht und Governance- und Beteiligungsstrukturen analysiert, die diese Prozesse ermöglichen oder auch einschränken. Dabei bewegte sich das Projekt im Spannungsfeld, dass Peripherisierungsprozesse einerseits „Möglichkeitsräume“ offenlegen können, anderseits aber auch die Grenzen bürgerschaftlicher Beteiligung nicht aus dem Blick verloren werden sollten.

Im Fokus der vier Fallstudien in Thüringen und Hessen (Rudolstadt, Sondershausen, Rotenburg a. d. Fulda, Bad Wildungen) stand eine Bestandsaufnahme der an Entscheidungsprozessen beteiligten Akteure, ihrer Interessen und ihrem Verständnis von Beteiligung. Zudem wurden die Charakteristika lokaler Aushandlungs- und Beteiligungsprozesse analysiert und die Auswirkungen von Peripherisierung auf die lokale Demokratie beleuchtet. Damit verbunden war die Frage, welche Entwicklungspotenziale der Kommunen vor diesem Hintergrund befördert werden können. Um verschiedene Sichtweisen auf die lokale Demokratie zu berücksichtigen, hat das Team qualitative Interviews mit Vertretern aus Kommunalpolitik, Verwaltung, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Medien sowie Dokumentenanalysen durchgeführt.

    Ergebnisse/Publikationen

    Die Studie macht deutlich, dass Stadtentwicklung und lokale Governance gleichermaßen von strukturellen Rahmenbedingungen wie von den Akteuren vor Ort abhängig sind. Relevante Themen sind dabei Verkehr und Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum, Leerstand und der Umgang mit öffentlichen Liegenschaften, der demographische Wandel sowie ortsspezifische Handlungsfelder. Trotz spezifischer Rahmenbedingungen verfügen die Akteure (Verwaltung, Politik, bürgerschaftlich Engagierte, Wirtschaft) über eine Vielfalt an Möglichkeiten, lokale Demokratie kooperativ zu gestalten. Dabei bewegen sie sich in unterschiedlichen Spannungsfeldern mit spezifischen Herausforderungen, aber auch Handlungsspielräumen. Der Umgang damit beeinflusst maßgeblich, wie lokale Demokratie mit Leben erfüllt wird. Anhand der Fallstudien lassen sich fünf Spannungsfelder identifizieren:

    • das Verhältnis zwischen Stadtpolitik, Stadtverwaltung und Stadtgesellschaft;
    • das Spannungsfeld zwischen Engagementbedarf und Engagementrückzug;
    • das Spannungsfeld zwischen Ansprüchen an Beteiligung und lokale Demokratie und den zur Verfügung stehenden Kapazitäten;
    • das Verhältnis zwischen aktueller wettbewerblicher Fördermittelpolitik und dem Bedarf einer kontinuierlichen Finanzierung und
    • der Handlungsbedarf für Kooperation bei gleichzeitig verteilten Zuständigkeiten auf unterschiedlichen Ebenen.

    Anlass / Auftraggeber

    Die Studie wurde im Auftrag des vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e.V. durchgeführt. Sie knüpft an Forschungen des IfL zu Perspektiven der endogenen Regionalentwicklung in strukturschwachen Räumen sowie an laufende Vorhaben der Kleinstadtforschung an.

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