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Pressekontakt

Dr. Peter Wittmann
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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Lehrermangel: IfL-Karte verdeutlicht Pensionierungswelle in Ostdeutschland

Mehr als die Hälfte der rund 95.000 Lehrerinnen und Lehrer an den allgemeinbildenden Schulen in Ostdeutschland waren im Schuljahr 2018/2019 älter als 50 Jahre. Die Spanne reicht von 57 Prozent in Sachsen bis zu 65 Prozent in Sachsen-Anhalt. Da die Zahl der Schüler wächst, wird sich der Lehrermangel hier weiter verschärfen. In den meisten westdeutschen Bundesländern ist dagegen mit einem gleichmäßigen Bedarf an neuen Lehrkräften zu rechnen. Das verdeutlicht eine aktuelle Deutschlandkarte des Leibniz-Instituts für Länderkunde (IfL).

Die auf Nationalatlas aktuell abrufbare IfL-Karte macht anhand einer Gegenüberstellung von Alterspyramiden zudem deutlich, dass sich das Muster gegenüber 1998 nahezu umgekehrt hat. Damals gab es in den ostdeutschen Ländern eine ausgeglichene Altersverteilung, in den westdeutschen Ländern waren die älteren Lehrkräfte in der Mehrzahl. In den alten Ländern wurde seitdem eine offensivere Einstellungspolitik verfolgt. In Ostdeutschland wurden aufgrund rückläufiger Schülerzahlen nur wenige junge Lehrkräfte eingestellt.

Die hohe Anzahl von Übertritten in den Ruhestand ist indes nicht der einzige Grund für den sich vor allem in den neuen Ländern zuspitzenden Lehrermangel. Als weitere Ursachen nennen die Autoren des Begleittextes zur IfL-Karte unter Verweis auf den Bericht „Bildung in Deutschland 2018“ einen unerwarteten Anstieg der Geburten- und Zuwanderungszahlen sowie die Einführung von Ganztagsschulen, Inklusion und Integrationsklassen, die alle einen erhöhten Lehrbedarf mit sich bringen. Deutschlandweit ist der Lehrerberuf überdies durch einen stetigen Anstieg des Frauenanteils von gut 60 Prozent im Jahr 1992 auf fast 75 Prozent im Jahr 2017 gekennzeichnet. An den Grundschulen liegt der Männeranteil heute bei elf Prozent, an den Gymnasien beträgt er noch 40 Prozent.

Als weitere Trends nennen die Geografieprofessoren Holger Jahnke und Tim Freytag die Zunahme der Teilzeitarbeit bis Mitte der 2000er-Jahre sowie den Ausbau und die Neugründung von allgemeinbildenden Privatschulen. Dagegen stehe die Internationalisierung der Lehrerschaft mit einem Anteil ausländischer Lehrerinnen und Lehrer von gerade einmal 1,4 Prozent noch am Anfang. „Wenn Schulen als Spiegel gesellschaftlicher Vielfalt gelten wollen, sollte dieser Anspruch auch auf die Zusammensetzung des Lehrpersonals übertragen werden“, so Jahnke und Freytag. In dieser Perspektive sei der aktuelle Lehrkräftemangel auch als Chance zu betrachten.

Nationalatlas aktuell

Der vollständige Artikel ist in der Online-Zeitschrift „Nationalatlas aktuell“ des IfL nachzulesen. Auf http://aktuell.nationalatlas.de veröffentlicht das Institut regelmäßig Kartenbeiträge zu Themen aus Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Politik, Gesundheit und Umwelt. Alle Karten, Diagramme und Fotos sind dort online verfügbar und stehen zusätzlich als PDF-Dokumente zum Download bereit. Auf Wunsch können die Materialien in Druckqualität zur Verfügung gestellt werden.

Kontakt

presse@leibniz-ifl.de

Weitere Informationen

  • Deutschlandkarte: Altersstruktur der Lehrkräfte an den allgemeinbildenden Schulen 1998/2018
  • Grafik: Lehrkräfte 2018 nach Schulart
  • Grafik: Lehrkräfte in Deutschland 1992–2017
  • Grafik: Ausländische Lehrkräfte in Deutschland 2018
  • http://aktuell.nationalatlas.de

Wissenschaftliche Ansprechpartner

Prof. Dr. Holger Jahnke
Europa-Universität Flensburg, Interdisziplinäres Institut für Umwelt-, Sozial- und Humanwissenschaften, Abteilung Geographie
E-Mail: holger.jahnke(at)uni-flensburg.de

Prof. Dr. Tim Freytag
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen, Humangeographie
E-Mail: tim.freytag(at)geographie.uni-freiburg.de