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Pressekontakt

Dr. Peter Wittmann
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

presse(at)leibniz-ifl.de
Tel.: +49 341 600 55-174
Fax: +49 341 600 55-198

Neues Kompetenznetz bündelt Konfliktforschung zum östlichen Europa

In einem BMBF-geförderten Kompetenznetz werden das Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL) und bundesweit fünf weitere Einrichtungen die Forschung zu Konflikten im östlichen Europa in den kommenden vier Jahren bündeln und weiterentwickeln. In der Region kam es unter anderem infolge der politischen Neuordnung nach dem Kalten Krieg zu gewaltsamen und bis heute andauernden Auseinandersetzungen. Angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine wird sich das Netzwerk nun veränderten Forschungsfragen und -bedingungen stellen müssen.

Das östliche Europa beschäftigt die Friedens- und Konfliktforschung seit vielen Jahren. Nirgendwo sonst gab es seit dem Ende des Kalten Krieges so viele, teils bis heute ungelöste Sezessionskonflikte und neue Staatsgründungen. Russlands Krieg gegen die Ukraine führt dies auf erschütternde Weise erneut vor Augen. Dennoch wird das Netzwerk gerade jetzt weitere Konfliktkonstellationen, aber auch Dynamiken von Kooperation in Osteuropa, Südosteuropa, Zentralasien und dem Kaukasus in den Blick nehmen. 

Zusammenhänge zu erklären und zu verstehen, ist das Ziel des Kompetenznetzes „Kooperation und Konflikt im östlichen Europa (KonKoop)“, das vom Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS) von April 2022 an koordiniert wird. Mitglieder des Netzwerks sind das Leibniz-Institut für Länderkunde in Leipzig, das Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung in Regensburg, der Lehrstuhl für Internationale Beziehungen der Universität Jena, die Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde sowie das Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam. 

„Es gibt in Deutschland hervorragende Forschung und viel Praxiswissen zu unterschiedlichen Konflikten im östlichen Europa, aber sie liegen bisher nur verstreut vor und werden deshalb auch international zu wenig wahrgenommen. Diese Expertise soll das Kompetenznetz bündeln“, erklärt die wissenschaftliche Direktorin des ZOiS, Gwendolyn Sasse. In fünf Themenfeldern wollen Forschungsteams herausfinden, wie Konflikte im östlichen Europa entstehen, welche Akteure beteiligt sind und welche Faktoren sie vorantreiben oder deeskalieren, aber auch welche Bedingungen Sicherheit garantieren oder Kooperation ermöglichen. 

  • Wann kommt es bei einer politischen Neuordnung, wie dem Zerfall der Sowjetunion oder Jugoslawiens, zu gewaltsamen Konflikten? 
  • Welche Bedeutung haben ethnische oder religiöse Identitäten und Zuschreibungen? 
  • Welche Rolle spielen wirtschaftliche Interessen bei der Entstehung, aber auch bei der Lösung von Konflikten? 
  • Wie wirken sich Umweltwandel und Ressourcenknappheit aus? 
  • Was bedingt den Spielraum für Friedensverhandlungen und die Umsetzung von Friedensabkommen? 
  • Wie kann eine Sicherheitsordnung in Europa in Zukunft gestaltet und institutionalisiert werden? 

Um Antworten auf diese Fragen zu finden und für Konfliktlösungen nutzbar zu machen, führen die Netzwerkpartner ihre regionale und inhaltliche Kompetenz zusammen. Sie wollen auch Organisationen einbinden, die bei der Konfliktvermittlung, Berichterstattung oder Aufbauarbeit jahrelange Erfahrung haben und wichtige Impulse etwa bei der Formulierung von Forschungsfragen geben können.

In einem vom ZOiS koordinierten Datenlabor sollen die Ergebnisse der Forschungen gebündelt und verfügbar gemacht werden. In einem vom IfL koordinierten Visualisierungslabor will das Netzwerk die Ergebnisse für die Wissenschaft, für Vermittlungsakteure, Medien und die Öffentlichkeit sichtbar und nachvollziehbar machen. Ein Team um Dr. Jana Moser, Leiterin der Abteilung Kartographie und Visuelle Kommunikation am IfL, wird sich dazu mit der Frage beschäftigen, wie Konflikte und Kooperationen in Karten erfasst werden können und welche Bedeutung räumliche Visualisierungen in politischen und gesellschaftlichen Diskursen spielen. Aufbauend auf seinen Erfahrungen und Kompetenzen auf dem Gebiet raumbezogener Visualisierungen wird das IfL die Netzwerkpartner bei der Erarbeitung von Karten, Infografiken und digitalen Formaten beraten und unterstützen.

Das Kompetenznetz hat im April 2022 seine Arbeit aufgenommen. Es wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in der Förderlinie „Stärkung und Weiterentwicklung der Friedens- und Konfliktforschung“ für den Zeitraum von vier Jahren mit rund drei Millionen Euro gefördert.

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin

Dr. Jana Moser
Tel. +49 341 600 55-133
j_moser(at)leibniz-ifl.de

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